Antithrombinmangel
Einführung
Antithrombin ist ein in der Leber synthetisiertes Glykoprotein, welches die Funktion verschiedener Serin-Proteasen inhibiert, die während des Gerinnungsprozesses freigesetzt werden (hauptsächlich Thrombin, Faktor IXa und Faktor Xa) . In der Folge kommt es zu einer Hemmung der Blutgerinnung. Ursache einer vermehrten Gerinnbarkeit des Blutes kann ein Antithrombin-mangel sein. Dieser Mangel kann erblich bedingt sein oder aber im Rahmen anderer Erkrankungen erworben werden. Die Prävalenz des Antithrombin-mangels in der Normalbevölkerung wird auf 1:2.000 bis 1:5.000 geschätzt.Genetik
Das Antithrombin-Gen ist auf Chromosom 1 (q23-25) lokalisiert. Bislang sind zahlreiche Mutationen des Gens bekannt, die zu einer Mangel-erkrankung führen. Heterozygote Genträger besitzen ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um tiefe Beinvenenthrombosen und Lungenembolien. Häufig treten diese in Risikosituationen wie postoperativ, posttraumatisch, postpartal oder in der Schwangerschaft auf. Ein spontanes Auftreten ist ebenfalls möglich.Bevor ein hereditärer Antithrombinmangel diagnostiziert werden kann, müssen andere Erkrankungsursachen ausgeschlossen werden, die entweder zu einer verminderten Synthese (z.B. Lebererkrankungen), einem vermehrten Verlust (z.B. nephrotisches Syndrom; Enteropathien) oder einem erhöhten Verbrauch (z.B. Heparintherapie, diss. intravasale Gerinnung) von Antithrombin führen.
Indikation
- Patienten mit Verdacht auf angeborenen Antithrombin-Mangel
- Patienten mit Nichtansprechen auf eine Heparintherapie, für die Beurteilung der Gerinnung bei Verdacht auf Hyperkoagulabilität (Verbrauchskoagulopathie, thromboembolische Ereignisse, Thrombosegefährdung)
Diagnostik
Neben Aktivitäts- und Konzentrationsbestimmung von Antithrombin können molekulargenetische Untersuchungen durchgeführt werden.Untersuchungsmaterial: mind. 1 ml EDTA-Blut (Versand durch Post oder Boten)
Dauer der Untersuchung: ca. 6 Wochen
Sonstiges
Laborchemisch lassen sich zwei verschiedenen Typen des Antithrombin-mangels unterscheiden. Beim Typ I-Mangel liegt ein echter Mangel an Antithrombin vor, so dass sowohl die Antithrombinkonzentration als auch die Aktivität vermindert sind. Beim Typ II-Mangel ist die Konzentration von Antithrombin zwar normal, seine Aktivität jedoch reduziert.Unter der Therapie mit oralen Kontrazeptiva haben Frauen mit Anti-thrombinmangel ein deutlich erhöhtes Thromboserisiko. Das Risiko eines thromboembolischen Ereignisses vor dem 40. Lebensjahr beträgt 80 bis 90%.
Literatur
- Barthels, M.; Poliwoda, H.: „Gerinnungsanalysen. Schnellorientierung, Befundinterpretation, klinische Konsequenzen". Thieme Verlag (6. Aufl.) (1998).
- Lechner, K.: „Antithrombinmangel“. Aus: Müller-Berghaus, G., Pötzsch, B. (Hrsg.). „Hämostaseologie. Molekulare und zelluläre Mechanismen, Pathophysiologie und Klinik". Springer Verlag (1999).
- Pabinger-Fasching, I.: „Epidemiologie der funktionellen Inhibitormängel und weitere hereditäre Risikofaktoren für venöse Thromboembolien“. Aus: Müller-Berghaus, G., Pötzsch, B. (Hrsg.): „Hämostaseologie. Molekulare und zelluläre Mechanismen, Pathophysiologie und Klinik“. Springer Verlag (1999)./li>
- Wagner, C.: „Antithrombin (AT)“. Aus: Thomas, L. (Hrsg.): „Labor und Diagnose. Indikation und Bewertung von Laborbefunden für die medizinische Diagnostik“. Th-Books Verlagsgesellschaft mbH (5. Aufl.), Frankfurt/M (1998).