Chromosom 22q11-Deletion-Syndrom
DiGeorge-Syndrom / Velo-Cardio-Faciale-Syndrom
MIM 188400
Einführung
Das Chromosom 22q11-Deletion-Syndrom ist eine relativ neue Zusammenfassung von Syndromen, die früher als Velocardiofacial syndrome, DiGeorge-Syndrom und Conotruncal Anomaly Face Syndrome bekannt waren. Genetisch ist das Syndrom durch eine Deletion in der Chromosomenregion 22q11 (Mikrodeletion 22q11.2) charakterisiert. Der Begriff CATCH 22-Syndrom, der zwar als Gedächtnisstütze die Anfangsbuchstaben der Symptome des Chromosom 22q11-Deletion-Syndroms wiedergibt, sollte wegen seines negativen literarischen Anklanges (Heller, J. 1962: „CATCH 22“. London: Jonathan Cape) nicht mehr verwendet werden. Um möglichen Komplikationen vorzubeugen bzw. die Behandlungschancen zu verbessern, ist eine frühzeitige Erkennung des Chromosom 22q11-Deletion-Syndroms wichtig.Symptomatik:
Bei ungefähr 85-90% der DGS-Patienten, 68% der VCFS-Patienten und 29% der Patienten mit sporadischen nicht-syndromalen conotrunalen Herzdefekten liegt eine Deletion von Chromosom 22q11 vor (Thomas J.A., Graham J.M. Jr., 1997). Versuche, die variable Größe der Deletion mit der Stärke der klinischen Ausprägung bei betroffenen Personen in Verbindung zu bringen, sind bisher gescheitert. Das 22q11-Deletions-Syndrom kann in autosomal dominanter Weise vererbt werden, oder es taucht als Konsequenz einer de novo-Deletion oder Translokation auf. Im Unterschied zu anderen Mikrodeletions-Syndromen liegt beim Chromosom 21q11-Deletions-Syndrom mit 25% eine relativ hohe Frequenz in der Eltern-zu-Kind-Vererbung vor (Leana-Cox, J. et al., 1996). Das Kandidaten-Gen TUPLE1, welches bei den meisten Patienten deletiert ist, wird als Sonde für die Fluoreszenz-in situ-Hybridisierung (FISH) verwendet. Durch die FISH-Diagnostik können sowohl die Risiken von Rückfällen als auch potentielle Probleme wie Lern- und Sprachschwierigkeiten besser abgeschätzt werden.
Genetik
Das Gen für die Steroid-21-Hydroxylase liegt auf dem kurzen Arm des Chromosoms 6 und umfaßt 10 Exone mit einer Gesamtlänge von etwa 60 000 Basenpaaren. Der Steroid-21-Hydroxylase-Mangel stellt die häufigste der angeborenen Störungen der Steroidbiosynthese dar. Bei etwa 40% der Kinder mit prämaturer Pubarche kann man von einem heterozygoten Genträgerstatus für den 21-Hydroxylase-Defekt ausgehen.Das Adrenogenitale Syndrom folgt einem autosomal rezessiven Erbgang; die klassische Form kommt in der kaukasischen Bevölkerung mit einer Frequenz von etwa 1 : 15000 Neugeborene vor. Bei der nicht-klassischen Form beträgt die Prävalenz ca. 1 : 27, bei Frauen mit Hyperandrogenämie ist sie wahrscheinlich noch höher.
Diagnostik
Untersuchungsmaterial:(Versand durch Post oder Boten; Chorionzottenmaterial kühlen)
- peripheres Blut (heparinisiert; 2 x 5 ml)
- Fetalblut (heparinisiert, 0,5 - 2,0 ml)
- 1 – 2 ml natives Fruchtwasser
- 0,5 - 1,0 mg Chorionzotten
- Heparinblut: 7-10 Tage
- Fruchtwasser: ca. 3 Wochen
- Chorionzotten: ca. 3 Wochen
Sonstiges
DiGeorge-Syndrom 2Für das oben beschriebene DiGeorge-Syndrom sind Patienten bekannt, die keine Deletion im Chromosomenbereich 22q11.2, sondern eine Deletion im Bereich 10q13 besitzen (Driscoll D.A., 1994). Für diese Region sind derzeit keine kommerziell verfügbaren Sonden erhältlich, so daß diese Mikrodeletion zurzeit noch keinen Parameter für die Routine-Diagnostik darstellt.
Literatur
- Driscoll D.A. “Genetic basis of DiGeorge and velocardiofacial syndromes.” Curr. Opin. Pediatr. 6(6): 702-706 (1994)
- Leana-Cox J., Pangkanon S., Eanet K.R., Curtin M.S., Wulfsberg E.A. “Familial DiGeorge / velocardiofacial syndrome with deletions of chromosome area 22q11.2: report of five families with a review of the literature.” Am. J. Med. Genet. 11; 65(4): 309-316 (1996)
- Thomas J.A., Graham J.M. Jr. “Chromosomes 22q11 deletion syndrome: an update and review for the primary pediatrician.” Clin. Pediatr. (Phila) 36(5): 253-266. (1997)