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Pränatale Rhesusfaktor-Bestimmung

MIM 111700 / 111680

Einführung

Rhesus-Inkompatibilität mit dem mütterlichen Blut kann sowohl beim Fetus (Morbus haemolyticus fetalis) als auch Neugeborenen (Morbus haemolyticus neonatorum) zu einer hämolytischen Erkrankung führen. Die Ursache dieser Erkrankung liegt in der Bildung maternaler Antikörper gegen das Rhesus-Antigen. Die geschieht durch eine Alloimmunisierung der Rh D-negativen Mutter während der Schwangerschaft durch Kontakt mit dem Rh D-Antigen der fetalen Erythrozyten.
Trotz seltenem Auftreten und guter intrauteriner Therapiemöglichkeiten stellt die hämolytische Fetalerkrankung immer noch eine schwerwiegende Schwangerschaftskomplikation dar, die ein individuelles risikoadaptiertes Management mit seriellen Amniozentesen bzw. Fetalblutentnahmen bis hin zu mehrfachen Transfusionen erfordert.
Die pränatale Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors ist in erster Linie für Rh-negative Schwangere - mit Rhesus-Inkompabilität infolge von Anti-D-Antikörpern - und Rh-positivem Partner von klinischer Bedeutung. Ziel der intrauterinen Diagnostik ist neben der Bestimmung des Schweregrades der kindlichen Anämie auch die Analyse der fetalen Blutgruppe. Bislang konnte der Rhesusfaktor pränatal nur an fetalen Erythrozyten bestimmt werden, die entweder mittels Nabelschnurpunktion oder durch Elution aus Plazentazotten (Chorionbiopsie) gewonnen wurden. Neben der erhöhten Abortrate gegenüber einer Amniozentese traten in beiden Fällen mit bis zu 50% Wahrscheinlichkeit fetomaternale Transfusionen auf, die zu einer Verstärkung der mütterlichen Immunisierung und damit sekundär auch des Schweregrades der fetalen Anämie führten. Die Amniozentese bietet neben der geringeren Abortwahrscheinlichkeit auch ein geringeres Risiko einer fetomaternalen Transfusion.
Die Möglichkeit einer Rhesusbestimmung an fetalen Zellen im Fruchtwasser durchzuführen bedeutet somit einen weiteren Fortschritt im Sinne einer Verringerung der hämolytischen Komplikationen bei Rhesusinkompabilität.

Genetik

Das Rhesus-System ist ein aus mindestens 46 verschiedenen Antigenen bestehender Komplex. Für die Rhesus-Blutgruppenantigenbestimmung sind die drei diesem System angehörenden Antigene Rhesus D, C und E von Bedeutung. Sie stellen drei homologe membranassoziierte Proteine dar. Zwei dieser Proteine haben immunologisch unterscheidbare Isoformen, die als C/c und E/e bezeichnet werden. Das Hauptprotein D hat keine immunologisch nachweisbare Isoform d. Die genetische Information für den Rhesus-Genlocus liegt auf zwei homologen Genen des Chromosoms 1 im Bereich p34.3-p36.1. Der Phänotyp Rh D negativ wird durch das Fehlen eines großen Teiles des Rh D-Gens verursacht, während es sich bei den Cc- und Ee-Varianten um verschiedene Allelkonstellationen eines Gens handelt.

Indikation

  • Pränataldiagnostik: Ermittlung des fetalen Genträgerstatus bei bekannter Alloimmunisierung der Mutter

Diagnostik

Aus dem Genlocus auf dem Chromosom 1 p34.3-p36.1 werden für die Rh D-Gen-Analyse genomische Sequenzen mittels einer Multiplex Polymerase-Kettenreaktion (PCR) sowie einer Kontroll-PCR amplifiziert. Für die Bestimmung der Rhesus Cc-Allele wird eine PCR aus dem Rh CcEe-Genlocus, für die Ermittlung des Rhesus Ee-Polymorphismus zwei weitere PCR’s sowie eine Kontroll-PCR in diesem Gen durchgeführt.
Analysiert werden die amplifizierten Fragmente nach ihrer Auftrennung durch Größenvergleich in Übereinstimmung mit spezifischen Kontrollreaktionen.

Untersuchungsmaterial:
(Versand durch Post oder Boten; Chorionzottenmaterial kühlen)
  • 1 ml Fruchtwasser(Versand: gekühlt) oder
  • 1 mg Chorionzottenmaterial (Versand: gekühlt) oder
  • 50 µl Fetalblut
Dauer der Untersuchung:
  • Rhesus D in 1 bis 2 Tagen
  • Rhesus C und E in 2 bis 3 Tagen