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Infertilität bei Männern: Chromosomenanalyse

Einführung

In 40% bis 60% der Fälle bleibt die Ursache männlicher Infertilität nach Anwendung der herkömmlichen Diagnostik unbekannt und wird damit als idiopathisch eingestuft. In diesen Fällen muß immer an eine genetische Störung gedacht werden, und es sollte als erster Schritt eine Chromosomenanalyse des Patienten stattfinden. Chromosomenstörungen können u.a. zur Unfruchtbarkeit bzw. zu einer reduzierten Spermienqualität führen. Etwa 15% aller Männer mit Azoospermie besitzen eine Chromosomenstörung. Dabei müssen bei den Trägern der Chromosomenstörung nicht zwangsläufig körperliche Fehlbildungen vorliegen. Weitergehende molekulargenetische Verfahren können je nach Begleitsymptomen sinnvoll sein. Die häufigsten Chromosomenstörungen bei infertilen Männern sind das Klinefelter-Syndrom (Chromosomensatz 47, XXY) und balanzierte Chromosomenaberrationen (z.B. balanzierte Translokationen), seltenere Störungen sind Ringchromosomen, komplexe Rearrangements und Inversionen. Alle diese Aberrationen können zur Azoospermie oder zur Oligoasthenoteratozoospermie (OAT-Syndrom) führen. Jungen mit Klinefelter-Syndrom fallen oft nur wenig auf, sind aber häufig eher großwüchsig und weisen eine leichte Androgen-Insuffizienz auf; des weiteren können sie Lernprobleme und manchmal ein gestörtes soziales Verhalten zeigen. Klinefelter-Patienten haben praktisch immer eine Azoospermie durch eine defekte Spermatogenese. Oft wird die Diagnose Klinefelter-Syndrom erst in der Fertilitäts-Sprechstunde gestellt. Männer mit balanzierten chromosomalen Aberrationen dagegen sind in 85% bis 90% der Fälle körperlich und geistig bzw. sozial komplett unauffällig. Die manchmal beobachtete reduzierte Fruchtbarkeit kann aus verschiedenen Mechanismen heraus entstehen. Zum einen können Nachkommen, die vom Vater einen unbalanzierten Chromosomensatz erben, unbemerkt in utero versterben. Zum anderen aber wird diskutiert, daß bei der Meiose eines Trägers einer balanzierten Chromosomenstörung ungepaarte Chromosomenabschnitte mit der Formierung des X/Y-Bivalenten interferieren, so daß die Spermatogenese blockiert wird. In vielen Fällen ist der Mechanismus aber noch unklar.

Diagnostik

Die Untersuchung erfolgt durch den Einsatz von zytogenetischen Nachweisverfahren.

Untersuchungsmaterial:
(Versand durch Post oder Boten)
  • 7,5 ml Heparinblut
Dauer der Untersuchung:
  • 2 - 3 Wochen

Sonstiges

Die pränatale Diagnostik ist für weibliche Individuen von besonderer Bedeutung, da durch Gabe eines plazentagängigen Kortisolderivates, das die ACTH-Produktion blockiert, eine Virilisierung verhindert werden kann.
Als Therapie wird im Kindesalter Hydrocortisol als Dauerbehandlung verschrieben. Nach Abschluß des Längenwachstums wird mit Prednison substituiert. Die pränatale Therapie erfolgt mit Dexamethason (Glucocorticoid-Suppressionstherapie).

Literatur

  • Tuerlings, J.H.A.M, Kremer, J.A.M., Meuleman, E.J.H.: “The practical Application of Genetics in the Male Infertility“. Clinic. J. Androl. 18 (6): 576-581 (1997).
  • Gardner, R.J.M., Sutherland, G.R.: “Chromosome Abnormalities and Genetics Counseling“. Oxford University Press, Oxford (1989).