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Miller-Dieker-Syndrom (MDS)

Miller-Dieker-Lissenzephalie-Syndrom (MDLS)

MIM 247200

Einführung

Das Syndrom wurde zuerst 1963 von Miller und später von Dieker et al. (1969) beschrieben. Die Frequenz liegt bei 1:100.000 Lebendgeburten, wahr-scheinlich sogar höher.

Symptomatik:

Der Kardinalbefund des Syndroms ist die Lissenzephalie Typ I. Das klinische Bild dieses Typs zeigt eine unvollständige Entwicklung des Gehirns (Agyrie, Pachygyrie), schwere geistige Retardierung, Mikrozephalie, einen kleinen Unterkiefer, Wachstumsrückstände und Hypotonie bei Neugeborenen und Krampfanfälle mit pathologischem EEG. Die bisher beschriebenen Symptome treten auch isoliert als klassische Lissenzphalie oder isolierte Lissenzephalie (ILS) auf. Bei dem Miller-Dieker-Syndrom kommen noch zusätzliche Merkmale, wie faltige Haut über der Glabella und der Sutura frontalis bzw. Sutura metopica, prominentes Okziput, schmale Stirn, antimongoloide Augenstellung, hypoplastische Nase und kleines Kinn hinzu. Weitere Anormalien sind Herzfehler und ein hypoplastisches männliches äußeres Genitale. Die Lebenserwartung ist stark eingeschränkt, der Tod tritt meist in der frühen Kindheit ein.

Genetik

Durch die Kombination von high-resolution chromosome banding, FISH und PCR stellte man fest, daß bei fast allen MDS-Patienten größere Deletionen auf Chromosom 17p13.3 vorhanden sind. Man vermutet, daß benachbarte Gene betroffen sind, die einerseits für die Gehirnentwicklung, andererseits für die Ausbildung des Gesichts verwantwortlich sind. Aus dem beschriebenen Bereich wurde das Gen LIS 1 kloniert, dessen Funktion noch unbekannt ist. Die abgeleitete Aminosäure-Sequenz weist auf eine mögliche Rolle bei der Signaltransduktion während der Telenzephalon-Entwicklung hin. Wie in anderen chromosomalen Strukturaberrationen, sind auch beim MDS de novo - Mutationen häufiger als familiär bedingte unbalancierte Ereignisse. Eine Studie von 25 MDS-Patienten zeigte, daß 21 Patienten Deletionen in der kritischen Region aufwiesen (Dobyns et al.; 1991). Trotzdem ist eine Elternuntersuchung empfehlenswert, um ein Wiederholungsrisiko bei Trägern balancierter Translokationen auszuschließen. Auch bei der isolierten Lissenzephalie sind Deletionen im p-Arm von Chromosom 17 nachgewiesen worden. Allerdings werden noch andere Genorte vermutet, deren Defekte Lissenzephalie verursachen.

Diagnostik

Untersuchungsmaterial:
(Versand durch Post oder Boten; Chorionzottenmaterial kühlen)
  • peripheres Blut (heparinisiert; 5 ml)
  • Fetalblut (heparinisiert, 0,5-2,0 ml)
  • 1–2 ml natives Fruchtwasser
  • 0,5-1,0 mg Chorionzotten
Dauer der Untersuchung:
  • Heparinblut: 7-10 Tage
  • Fruchtwasser: ca. 3 Wochen
  • Chorionzotten: ca. 3 Wochen

Literatur

  • Dieker, H.; Edwards, R. H.; ZuRhein, G.; Chou, S. M.; Hartman, H. A.; Opitz, J. M.: „The lissencephaly syndrome.“ In: Bergsma, D. : The Clinical Delineation of Birth Defects: Malformation Syndromes. New York: National Foundation-March of Dimes (pub.) II 1969. Pp. 53-64.
  • Dobyns, W. B.; Curry, C. J. R.; Hoyme, H. E.; Turlington, L.; Ledbetter, D. H.: „Clinical and molecular diagnosis of Miller-Dieker syndrome.“ Am. J. Hum. Genet. 48: 584-594, 1991.
  • Miller, J. Q.: „Lissencephaly in 2 siblings." Neurology 13: 841-850, 1963.