Hyperhomocysteinämie (MTHFR-Defizienz)
MIM 236250
Einführung
Die Methylentetrahydrofolatreduktase (MTHFR) stellt durch die folatabhängige Remethylierung von Homocystein ein Schlüsselenzym im Methionin-Metabolismus dar. Sie reduziert 5,10-Methylentetrahydrofolat zu 5-Methyltetrahydrofolat, der prädominierenden Zirkulationsform von Folsäure. Diese dient als Methylgruppendonor bei der Remethylierung von Homocystein zu Methionin (Abb 1).
Durch Mutationen im MTHFR-Gen kann es zu Homocysteinurie und Hypomethioninämie kommen.
MTHFR-Mangel ist eine autosomal rezessiv vererbte Erkrankung, die sich in eine schwere und eine milde Form unterteilen läßt. Patienten, die unter der schweren Form leiden, weisen einen deutlich erhöhten Homocystein-spiegel in Blut und Urin auf, während die Methioninkonzentration im Plasma stark erniedrigt ist. Diese Patienten zeigen schon frühzeitig verschiedene neurologische und/oder vaskuläre Abnormitäten wie Entwicklungsverzögerung, Hypotonie, motorische und/oder psychische Auffälligkeiten. Die MTHFR-Aktivität sinkt dabei auf unter 20%.
Bei der milden Form sinkt die Enzymaktivität auf unter 50%, wodurch die Homocysteinkonzentration nur geringfügig ansteigt. Patienten, die diese thermolabile Mutation im MTHFR-Gen aufweisen, tragen ein erhöhtes genetisches Risiko für Spina bifida und verschiedene vaskuläre Komplikationen, wie z.B. Thrombosen. Diese Mutationsvariante wird durch einen Alanin- zu Valin-Austausch an der Position 677 bp des Gens hervorgerufen.
Indikation
- Klinische Anzeichen einer kongenitalen adrenalen Hyperplasie und biochemische Hinweise auf eine Anhäufung von 17-Alpha-Hydroxy-Progesteron (17-OH-P)
- Genetische Diagnostik als Ergänzung zum ACTH-Test bei Kinderwunsch und potentiell heterozygotem Genträgerstatus
- Pränataldiagnostik bei Risikoschwangerschaften (Eltern als Überträger des AGS)
- Phänotypische Hinweise: Hirsutismus, Großwuchs, akzeleriertes Knochenalter, prämature Pubarche, Klitorishypertrophie
Diagnostik
Der Mutationsnachweis erfolgt mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und anschließender automatischer Sequenzierung. Es wird auf alle bekannten Mutationen des 21-Hydroxylase-Gens auf Chromosom 6 (direkte Genotypisierung) untersucht. Zusätzlich wird eine quantitative PCR im Promotor-, Exon 3- und Exon 8-Bereich durchgeführt, um größere Duplikationen oder Deletionen zu erfassen.Untersuchungsmaterial:
(Versand durch Post oder Boten; Chorionzottenmaterial kühlen)
- 3 - 5 ml EDTA-Blut oder
- ca. 2 ml Fruchtwasser oder
- ca. 10 mg Chorionzottenmaterial
- Direkter Gentest - Sequenzierung: 3 bis 4 Wochen
- Pränataldiagnostik (nach Anmeldung): innerhalb einer Woche
Sonstiges
Die pränatale Diagnostik ist für weibliche Individuen von besonderer Bedeutung, da durch Gabe eines plazentagängigen Kortisolderivates, das die ACTH-Produktion blockiert, eine Virilisierung verhindert werden kann.Als Therapie wird im Kindesalter Hydrocortisol als Dauerbehandlung verschrieben. Nach Abschluß des Längenwachstums wird mit Prednison substituiert. Die pränatale Therapie erfolgt mit Dexamethason (Glucocorticoid-Suppressionstherapie).
Literatur
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- Dörr, H.G.; Sippell, W.G.: „Adrenogenitales Syndrom (AGS) mit 21-Hydroxylase Defekt“. Monatsschr. Kinderheilkd. 141: 609-621 (1993).
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- Wedell, A., Xu, C., Luthman, H.: “A steroid 21-hydroxylase allele concomitantly carrying four disease-causing mutations is not uncommon in the Swedish population“. Hum. Gen. 93: 204-206 (1994).