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Noonan-Syndrom

Mutationen im PTPN11-Gen

MIM 163950

Einführung

Das Noonan-Syndrom bezeichnet einen erblichen Komplex von Entwicklungs-störungen, die dem Ullrich-Turner-Syndrom ähnlich sind (Pseudo-Turner-Syndrom). Im Gegensatz zum Turner-Syndrom sind jedoch weder in der Anzahl noch in der Struktur Chromosomenanomalien nachweisbar. Das Noonan-Syndrom ist relativ häufig, die Inzidenz beträgt circa 1:1.000 Geburten. Die klinische Symptomatik kann in ihrer Ausprägung sehr variabel sein:
  • charakteristische Gesichtszüge: Hypertelorismus; Ptose; große, tief ansetzende Ohren; tiefer Haaransatz
  • Pterygium colli
  • Kleinwuchs
  • Herzfehlbildungen; V.a. valvuläre Pulmonalstenosen und hypertrophische (obstruktive) Kardiomyopathie (HOCM)
  • Sternumdeformitäten, wie Kiel- und Trichterbrust
  • Nierenfehlbildungen, vergrößerte Leber
  • Sehbeeinträchtigungen: Strabismus, Kurz- oder Weitsichtigkeit
  • Hodenhochstand oder Hodenaplasie
  • Frühe Ernährungsschwierigkeiten

Genetik

Bei circa 40-50 % aller Patienten mit Noonan-Syndrom findet man Mutationen im PTPN11-Gen, das auf Chromosom 12q24 lokalisiert werden konnte. Bei Mutationen in diesem Gen folgt die Erkrankung einem autosomal dominanten Erbgang. Da bei einigen Familien mit Noonan-Syndrom ein autosomal rezessiver Erbgang gefunden wurde und nicht bei allen Familien mit dominantem Erbgang Mutationen im PTPN11-Gen nachgewiesen werden konnten, geht man davon aus, dass noch mindestens zwei weitere Gene für das Noonan-Syndrom ursächlich sein können.
Das PTPN11-Gen besteht aus 15 Exonen, die für ein 524 Aminosäuren großes Protein (SHP-2) kodieren. Es handelt sich dabei um eine membranständige Rezeptor-Phosphotyrosin-Phosporylase, die eine zentrale Rolle in der Signaltransduktion von Wachstumsfaktoren ausübt (positiver oder negativer Regulator).
Bisher konnten über 30 verschiedene krankheitsauslösende Mutationen im PTPN11-Gen detektiert werden, die über den gesamten kodierenden Bereich verstreut vorkommen.

Indikation

  • Patienten mit der Verdachtsdiagnose (Kriterien s. o.)
  • Differentialdiagnostik

Diagnostik

Aus der Blutprobe der Patientin / des Patienten wird DNA extrahiert. Die Analyse des PTPN11-Gens auf Noonan-Syndrom-auslösende Mutationen erfolgt als Stufendiagnostik:

Stufe 1: Ca. 70 % der bisher beschriebenen Mutationen im PTPN11-Gen. Mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) werden zunächst die Exone 3 und 8 des PTPN11-Gens amplifiziert, sequenziert und analysiert.

Stufe 2: Alle bisher beschriebenen Mutationen im PTPN11-Gen. Mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) werden die restlichen 13 Exone des PTPN11-Gens amplifiziert, sequenziert und analysiert.

Untersuchungsmaterial:
(Versand durch Post oder Boten)
  • mind. 1 ml EDTA-Blut
Dauer der Untersuchung:
  • Stufe 1: ca. 1 - 2 Wochen
  • Stufe 2: ca. 5 - 8 Wochen

Literatur

  • Noonan, J. A.: “Hypertelorism with Turner phenotype. A new syndrome with associated congenital heart disease.” Am. J. Dis. Child. 116: 373-380 (1968)
  • Shah, N.; Rodriguez, M.; St. Louis, D.; Lindley, K.; Milla, P. J.: "Feeding difficulties and foregut dysmotility in Noonan's syndrome." Arch. Dis. Child. 81: 28-31 (1999)
  • Tartaglia, M. et al.: "Mutations in PTPN11, encoding the protein tyrosine phosphatase SHP-2, cause Noonan syndrome.” Nature Genet. 29: 465-468 (2001)