Pendred-Syndrom
MIM 274600
Einführung
Das Pendred-Syndrom ist ein häufiges genetisches Leiden (ca. 7,5-10% aller Fälle kongenitaler Schwerhörigkeit) und die häufigste Form der syndromalen Schwerhörigkeit überhaupt. Patienten mit Pendred-Syndrom leiden- immer an schwerer sensorineuraler Schwerhörigkeit,
- in 85% an Fehlbildungen des knöchernen Labyrinths (Dilatation des vestibulären Aquädukts und/oder Mondini-Malformation) und
- in 75% an einer euthyreoten Struma mit abnormer Verstoffwechselung des Jods durch die Schilddrüse.
Genetik
Das Pendred-Syndrom wird autosomal rezessiv vererbt, so dass das rechnerische Wiederholungsrisiko von Geschwistern Betroffener jeweils 25% beträgt. Bei etwa 75% der Patienten findet man Mutationen in dem SLC26A4-Gen im Chromosomenbereich 7q22-31. Dabei betreffen 50% der Mutationen einen von drei bekannten Gendefekten, die anderen Mutationen finden sich über das verstreut.Pathophysiologie
Das Produkt des SLC26A4-Gens, das Pendrin, findet sich am apikalen Pol der Thyrozyten. Es stellt einen Transporter für Chlorid- und Jodid-Ionen aus den Zellen heraus dar. Über den eigentlichen Krankheitsmechanismus besonders am Innenohr ist bislang wenig bekannt. In einer Studie an kryokonserviertem Schilddrüsengewebe von Pendred-Patienten wurde nachgewiesen, dass ein metabolischer Defekt nach der Jodaufnahme vorliegen muß, der vermutlich die Jodisation (Organifikation) betrifft.Indikation
Die molekulargenetische Diagnostik erlaubt es, die möglichen Ursachen der Schwerhörigkeit zu untersuchen und Aussagen über das Wiederholungsrisiko Betroffener zu machen. Weiterhin kann bei rechtzeitiger Diagnosestellung im Säuglingsalter eine frühzeitige Therapie eingeleitet werden.Diagnostik
Der Mutationsnachweis des PDS-Gens erfolgt mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und anschließender Sequenzierung. Dabei werden die drei genannten Hot-Spot-Regionen des Gens untersucht. Auf Wunsch kann der gesamte kodierende Bereich des PDS-Gens untersucht werden.Untersuchungsmaterial:
(Versand durch Post oder Boten)
- mind. 1 ml EDTA-Blut
- 2 Wochen
Literatur
- Bidart J-M et al. : „Expression of Pendrin and the Pendred Syndrome (PDS) Gene in Human Thyroid Tissues. J. Clin. Endocrinol. Metabol. 85(5): 2028-2033 (2000)
- Fugazzola L et al.: „Molecular Analysis of the Pendred’s Syndrome Gene and Magnetic Resonance Imaging Studies of the Inner Ear Are Essential for the Diagnosis of True Pendred’s Syndrome. J. Clin. Endocrinol. Metabol. 85(7): 2469-2475 (2000)
- Mian C et al.: „Sodium Symporter and Pendrin Expression in Human Thyroid Tissues“. Thyroid 11(9): 825-830 (2001).
- Phelps PD et al.: „Radiological malformation of the ear in Pendred Syndrome“. Clin. Radiol. 53(4): 268-273 (1998).
- Sheffield VC et al.: „Pendred syndrome maps to chromosome 7q21-34 and is caused by an intrinsic defect in thyroid iodine organification. Nat. Genet. 12: 424-426 (1996).
- Waldegger S et al.: „Cloning and Characterization of SLC26A6, a Novel Member of the Solute Carrier 26 Gene Familiy“. Genomics 72: 43-50 (2001).